Renier-Fréduman Mundil: Manu’s Reise mit dem Tod – Eine Fuge durch die Zeit
1. Auszug 03.07.2026 (Seiten 17-23)
Am .. .. .., das Datum ist gleichgültig, es hat sich millionenfach wiederholt, wurde Marla, die kleine Schwester von Manu, geboren. Es war Herbst, der Wind begann, das Samtgrün aus den Blättern zu treiben, aus der unsichtbaren Luft krochen wundersame Farben in die Bäume, verwandelten sie in leuchtende Blumen, die ein letztes Mal aufblühten.
Durch die Alleen trotteten die Menschen, vereinzelte Fahrzeuge huschten vorbei, Menschenfüße zertraten achtlos schrumpelige Äpfel, die die müden Bäume abgeworfen hatten, nicht ahnend, dass sie nur wenige Jahre später meterweise mit ihren nackten Fingern den Boden durchpflügen würden, um eine alte runde essbare Frucht zu finden.
Oben in der Luft kreisten Flugzeuge, ruhig, geschmeidig, nur das etwas ratternde Motoren- geräusch ließ erahnen, für welchen Zweck sie gebaut waren, dass sie dabei waren zu üben, den Tod vom Himmel auf die Erde zu schmettern.
Die kleine Marla lag geborgen an der warmen nackten Brust ihrer Mutter, saugte naseflügelnd an der dunklen Warze, saugte gierig am neuen Leben. Ihre große Schwester, bereits zehn Jahre durchströmt von diesem Leben, stand wortlos daneben. Es mochten noch zehn Jahre werden, dann würde sie so liegen, die Augen geschlossen, ein kleiner nackter Körper an ihrem Busen, einen Teil ihres Lebens aufsaugend. Sie erinnerte sich, die großen Fische, die bergauf durch das kalte Wasser schwammen, nur um erschöpft und müde ihren Laich abzulegen, um danach zu sterben.
Wie gut, dass Mama kein Fisch war, sonst würde sie auch bald sterben und sie musste das kleine Wesen durch die Welt schleppen.
Na Manu, gefällt sie dir?
Das Mädchen nickte wortlos. Ihre Faszination hatte ihr die Sprache verschlagen, still blickte sie auf das neue Leben.
Was ist, Manu, bist du traurig?
Ihre Mutter zog sie an sich, zog das Gesicht auf die andere Brust. Manu spürte das warme, weiche Pulsieren der nackten Haut. Sie blickte direkt in die Augen des neugeborenen Lebens, doch die Blicke des kleinen Wesens gingen unverwandt an ihr vorbei, durchbohrten die trüben Fenster und zogen in die neue Welt.
Die alte Holztür sprang auf, knarrend, schwerfällig, und Manus Bruder trat ein.
Manu komm‘, Papa sagt, ich soll dich holen.
Wohin? piepste Manu.
In die Stadt. Einkaufen. Vielleicht gehen wir auch auf den Rummel.
Manu blickte unschlüssig.
Geh Manu, deine Schwester läuft dir nicht weg.
Geh Manu, lass dich holen.
-Fortsetzung folgt-
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